Bei Annette von Droste-Hülshoff in Meersburg

Bei Annette von Droste-Hülshoff in Meersburg

Am Freitag, 25. September 2026, trafen wir uns zu unserem dritten Buchspaziergang in Meersburg. Thema war diesmal nicht ein bestimmtes Buch, sondern eine Autorin: die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, deren Name fest mit Meersburg verbunden ist.

Im Mittelpunkt stand ein Besuch des „Fürstenhäusles“ hoch über Meersburg. Da die Räumlichkeiten dort sehr eng sind, galt die Vorgabe, dass höchstens 15 Personen mitkommen durften. Wir trafen uns in Meersburg an der Bushaltestelle Kirche und spazierten zuerst zum Friedhof. Dort gab es an der Grabstätte der Familien Laßberg und Droste-Hülshoff eine kurze Einführung in die Familienverhältnisse und die Lebensdaten: Annette von Droste-Hülshoff kam am 12. Januar 1797 auf Burg Hülshoff bei Münster zur Welt und starb am 24. Mai 1848 auf der Burg Meersburg, die damals ihrem Schwager Joseph von Laßberg gehörte. Auf dem Meersburger Friedhof liegen außer Annette, ihrem Schwager und ihren Nichten noch weitere Verwandte und Freunde der Familie, unter anderem Helene von Bothmer. Die gebürtige Amerikanerin, die mit einem Urgroßneffen von Annette verheiratet war, hat dafür gesorgt, dass 1948, zum 100. Todestag von Annette, das Fürstenhäusle als Droste-Museum eröffnet werden konnte. Außerdem war sie Stifterin des Droste-Literaturpreises für Dichterinnen, der heute von der Stadt Meersburg verliehen wird.

Nach der Grabstelle der Familie Droste-Hülshoff besuchten wir kurz auch noch das Grab des Arztes Franz Anton Mesmer (1734-1815), der mit Magnetismus und Hypnose experimentiert hat und heute zu den frühen Vorläufern der modernen ganzheitlichen Medizin und Psychotherapie zählt.

Vom Friedhof gingen wir zum Fürstenhäusle. Weil es ein sonniger Tag war, bot sich uns ein herrlicher Blick über die Dächer von Meersburg und den strahlend blauen See bis zum anderen Ufer. Beim Fürstenhäusle empfing uns Herr Dr. Kornelius Otto, der uns über eine Stunde durch die Räume führte. Er erzählte höchst anschaulich und unterhaltsam über das Leben von Annette von Droste-Hülshoff, ihre Aufenthalte in Meersburg und ihre Zeit im Fürstenhäusle, das sie als Rückzugsort zum Schreiben nutzte. Wir erfuhren, wie schwierig es für sie als adliges Fräulein war, ihre dichterischen Werke zu veröffentlichen. Als Frau durfte sie keine Verträge unterschreiben, und auch über Honorare musste ein Mann für sie verhandeln. Die Einschränkungen, mit denen sie konfrontiert war, brachte sie in einer Gedichtzeile in dem Seufzer zum Ausdruck: „Wär ich ein Mann doch mindestens nur…“

Von Meersburg fuhren wir mit dem Bus bis Birnau und beschlossen den Ausflug mit einer Einkehr in der Schlossgaststätte Maurach, wo wir auf den Bänken in der Sonne sitzen konnten.

Ein paar Lesetipps:

Über ihre Zeit in Meersburg: Walter Gödden, Annette von Droste-Hülshoff auf Schloß Meersburg, Turm-Verlag 2004, 144 S., antiquarisch zu kaufen für ca. 6 Euro.

Wer einen Schmöker für die langen Winterabende sucht: Karin Duve, Fräulein Nettes kurzer Sommer, 592 Seiten, KiWi-Taschenbuch, erschienen 2020, 15 Euro (ein Roman über eine Liebesgeschichte, die „Fräulein Nette, die Nervensäge“, in ihren Zwanzigerjahren erlebt hat und die unglücklich endete).

Gedichte von Annette von Droste-Hülshoff findet man reichlich im Internet, unter anderem: https://www.gedichte7.de/annette-von-droste-huelshoff.html.

Uschi Schäfer